Ärzte-Gruppe schürt in Hamburg Angst vor Corona-Impfung: “Dann haben wir 80.000 Tote”

Post in Hamburger Briefkästen: Mit einem Flyer will die Organisation “Ärzte für Aufklärung” auf die vermeintlichen Gefahren einer “Corona-Zwangsimpfung” hinweisen. Dabei stellt sie auch die Existenz der Pandemie in Frage – mit fragwürdigen Argumenten.

In dieser Woche dürften sich etliche Hamburger über ungebetene Post im Briefkästen gewundert haben. Dort fanden sie einen Flyer, auf dem in großen Lettern die Aufschrift „Zwang zur Impfung droht“ prangt.

Der Absender des Schreibens: „Ärzte für Aufklärung“, eine Organisation, der offenbar 700 Mediziner in Deutschland angehören und die die Corona-Maßnahmen der Regierung für überzogen hält.

Ärzte warnen vor angeblichen Folgen einer Zwangsimpfung: “Dann haben wir 80.000 Tote”

In ihrem Schreiben warnen die Ärzte vor den potenziellen Gefahren und Folgen einer Impfung gegen das Coronavirus.Die Ärzte für Aufklärung-Vereinigung verteilte Flyer gegen die Corona-Zwangsimpfung in Hamburg.

pn Die “Ärzte für Aufklärung”-Vereinigung verteilte Flyer gegen die “Corona-Zwangsimpfung” in Hamburg.

Dabei weisen sie sogar auf eine angeblich drohende „Zwangsimpfung“ hin, die „auf Grund der politisch veränderten Gesetzeslage im IfSG Infektionsschutzgesetz“ möglich sei. Diese könne in den Augen der Ärzte verheerende Konsequenzen haben.Surftipp: Alle Neuigkeiten zum Coronavirus finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online

„Dann müssen wir damit rechnen, dass, wenn das Bundesministerium des Inneren sich entschließt, über die Notstandsgesetze (…) 83 Millionen zwangszuimpfen, dass, wenn davon auch nur 0,1 Prozent an dieser Impfung versterben, und dies ist durchaus realistisch, selbst bei einem Impfstoff, der besser geprüft worden ist (…). Dann haben wir 80.000 Tote“, wird Professor Dr. Stefan Hockertz, ehemaliger Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, zitiert.Die Ärzte für Aufklärung warnen in einem Flyer vor den potenziellen Folgen einer Zwangsimpfungpn Die “Ärzte für Aufklärung” warnen in einem Flyer vor den potenziellen Folgen einer “Zwangsimpfung”

Um das Ausmaß der Toten durch Zwangsimpfung zu verdeutlichen, zieht er einen drastischen Vergleich. „Das ist das Auslöschen einer Stadt wie Konstanz oder Bamberg.”

Kritik an Merkel und Spahn

Nach Ansicht der „Ärzte für Aufklärung“ sei es unverantwortlich, ein derartiges Horror-Szenario zu riskieren. Schließlich handle es sich bei den „aussichtsreichsten Kandidaten gegen Corona“ nicht um übliche Impfstoffe, sondern um „genetische Veränderungen des Menschen (mRNA-Impfung), deren Auswirkungen bisher niemand abschätzen kann“.

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Diese könnten im schlimmsten Fall Krebs oder Autoimmunkrankheiten hervorrufen. „Daher ist es verantwortungslos und unverhältnismäßig, dass Frau Merkel und Herr Spahn die Bevölkerung dieses Landes diesem Risiko aussetzen“, heißt es.

Ex-UKE-Professor: “Aus Angst und Panik ausgerufene Pandemie”

Vor diesem Hintergrund könne Prof. Dr. Hockertz als Mediziner die „Corona-Zwangsimpfung“ keinesfalls tolerieren. „Wenn ich das im Wissen tue, dass ein solcher Impfstoff schlecht geprüft ist, miserabel zugelassen (…), dann gibt es für mich keinen einzigen Grund auf dieser Welt, dies zu rechtfertigen“, schreibt er.

Schlussendlich stellt er die wahrhaftige Existenz der Epidemie in Frage: „Erst recht nicht eine aus Angst und Panik ausgerufene Pandemie nationalen Ausmaßes, die wir ja gar nicht mehr haben.“

Organisation klärt über angebliche “Fake Pandemie” auf

Auf der Rückseite des Flyers listet die Organisation schließlich konkrete und teils banale Gesichtspunkte auf, anhand derer eine „Fake Pandemie“ enttarnt werden könne – und spielt in allen Argumenten auf die aktuelle Corona-Krise an, die nach Ansicht der Ärzte ein ausgedachtes Konstrukt ist.

So gibt „Ärzte für Aufklärung“ an, dass die Politiker und Medien bei einer „echten“ Pandemie alles tun würden, „um die Menschen zu beruhigen“. Bei einer „Fake Pandemie“ hingegen würden politische Handlungsträger und Journalisten alles daransetzen, „um Angst zu verbreiten, die Menschen einzuschüchtern und die Gesellschaft zu spalten.“Auf dem Flyer der Ärztlichen Vereinigung werden angebliche Argumente für eine echte Pandemie und eine Fake Pandemie angeführt.pn Auf dem Flyer der “Ärztlichen Vereinigung” werden angebliche Argumente für eine “echte Pandemie” und eine “Fake Pandemie” angeführt.

Auch kämpfen die Menschen nach Meinung der Organisation bei einer tatsächlichen Pandemie „mit einer humanitären Katastrophe“, wohingegen eine „Fake Pandemie“ daran zu erkennen sei, dass Menschen „um Klopapier“ kämpfen.

Robert-Koch-Institut definiert Pandemie als “weltweite stark ausgebreitete Infektionskrankheit”

Doch während die teils banalen Argumente, die die „Ärzte für Aufklärung“ auf ihrem Flyer aufführen, mehr Verwirrung stiften als faktisch aufklären, dürfte eins klar werden – an der gängigen Definition von Pandemie hat sich die Organisation mitnichten orientiert.Hier gibt’s mehr aus Hamburg!

Schließlich ordnen etablierte und selbständige Behörden wie das Robert-Koch-Institut (RKI) oder die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Begriff Pandemie als „neu, aber zeitlich begrenzt in Erscheinung tretende, weltweite starke Ausbreitung einer Infektionskrankheit mit hohen Erkrankungszahlen und i.d.R. auch mit schweren Krankheitsverläufen“ ein.

Das RKI teilt dazu mit: „Gegen einen solchen Erreger müssen Maßnahmen ergriffen und insbesondere der Bevölkerung rasch ein Impfstoff angeboten werden.“

Bundesgesundheitsminister Spahn über Impfung: “Sicherheit muss oberste Priorität haben”

An diesem Rat orientiert sich die Bundesregierung. Bei der Entwicklung des Impfstoffs stehe jedoch nicht die Schnelligkeit, sondern die Sicherheit an erster Stelle. 

Das hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDUauch im Gespräch mit FOCUS Online im September betont: „In anderen Ländern gab es auch Debatten über Schnellzulassungen. Das halte ich für unverantwortlich. Solche Impfstoffe sind für Millionen Menschen gedacht. Da muss Sicherheit oberste Priorität haben“, sagte er.Corona-Lage in Deutschlanddpa/Tobias Schwarz/AFP Pool/dpa Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zusammen mit RKI-Leiter Lothar Wieler.

Impfstoff-Studien, die aufgrund von Gesundheitsproblemen von Probanden abgebrochen werden mussten, würden den Gesundheitsminister darin bestätigen, „dass man vor der Zulassung von Impfstoffen Phase-3-Tests mit Tausenden von freiwilligen Probanden abwarten muss.”

Eine Zwangsimpfung, die die „Ärzte für Aufklärung“ auf Grund der geänderten Gesetzeslage drohend prophezeien, stehe keinesfalls zur Debatte. „Es wird keine verpflichtenden Impfungen geben“, sagte Spahn.

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